Offene Foren 2014

Datum und Zeit:
26. November 2014, 18.15–19.30 Uhr

Gabriela H. Venetz (focus-lingua)

Literacy Management in der Höheren Berufsbildung – praxisorientierte Textproduktion

Gerade im Bereich der Höheren Berufsbildung, die einen wichtigen Zweig der Tertiärbildung darstellt, ist die Praxisorientierung in der Textproduktion von besonderer Wichtigkeit. Als künftige Mitarbeitende im mittleren Kader sind die Studierenden mit neuen berufsspezifischen Textsorten konfrontiert. Da sie in der Regel nicht über eine akademische Bildung verfügen, ist beim Aufbau von wirksamen Textroutinen spezielle Sorgfalt gefordert. Insbesondere ist dabei eine enge Verknüpfung von Textsortenwissen, Arbeit am Text und Arbeit an der Sprache unabdingbar.

Mit Blick auf meine Unterrichtspraxis analysiere ich bestehende Schreibcurricula von Höheren Fachschulen für Techniker/innen. Anschliessend kontrastiere ich diese mit dem Beispiel eines möglichen Lese- und Schreibcurriculums, das sich an den Prinzipien von writing in the disciplines (WID) und writing across the curriculum (WAC) orientiert. Dieses enthält u.a. verschiedene über mehrere Studiensemester verteilte Module, ist fächerübergreifend organisiert, nutzt Arbeit mit e-Portfolio und integriert eine online-Schreibberatung. Als Beispiele für die Umsetzung werden einzelne Veranstaltungen herangezogen, die bereits in bestehenden „alten“ Systemen durchgeführt wurden und die auf den Erkenntnissen der Lese- und Schreibforschung und des problem based learning (PBL) basieren.

Eine Reflexion am Schluss des Vortrags beleuchtet die Frage, was der Paradigmenwechsel mit der Einführung des neuen Curriculums als Ersatz für das bisherige System „Klassischer Deutschunterricht“ für die Lerntradition einer Institution bedeuten kann.

 


 

Datum und Zeit:
2.
Oktober 2014, 18.15–19.30 Uhr

Katrin Burkhalter (Hochschule Luzern – Wirtschaft)

Vom Pijama-Text zum ausgehfeinen Text: Die Relevanz gereifter Texte vermitteln

Ausgangslage: Studierende sollen neues, gesichertes Wissen erarbeiten und in publikationsreifen Merkblättern festhalten. Beispielhaft konstruierte PBL-Fälle sind der Motor des Erarbeitens (PBL = Problem-Based Learning). Ein Apparat ermöglicht induktive und deduktive Zugänge. Diese Merk-blätter dienen zur Prüfungsvorbereitung, und zwar nicht nur den Verfasserinnen und Verfassern, sondern auch weiteren Studierenden.

Diese (Scaffolding-)Practice ist gut: vielfach erprobt und also mit einer gewissen Routine durch-geführt, didaktisch reflektiert, von den Studierenden ohne Murren erledigt, ja in Evaluations-gesprächen als «sehr lehrreich (wenn auch zeitaufwändig)» gelobt.

Und: Diese Practice ist noch nicht gut, weil sich nämlich Studierende allzu oft mit «Pijama-Texten» zufriedengeben (im Pijama zeigt man sich besser nicht an der Öffentlichkeit), also mit nicht fertig redigierten (und daher oft wenig verständlichen) Texten – und für die mangelhafte Textreife blind zu sein scheinen.

Wie gelingt es, das Schreiben als erkenntnisförderndes Werkzeug zu verstehen, ohne dabei die Textreife aus den Augen zu verlieren? Ich freue mich, einige Überlegungen dazu zu formulieren – und auf Beiträge aus dem Publikum.